MEDNETmail

Krankenhauseinweisung

EK Klein1. MEDNETmail Krankenhauseinweisung

Die Bereitstellung qualifizierter Vorbefunde für eine stationäre Behandlung durch den niedergelassenen Arzt ist im bisherigen Ablauf durch das Muster 2 (Verordnung von Krankenhausbehandlung) festgelegt und begrenzt.

In Baden-Württemberg gibt es zusätzlich das Formular „Anlage zum Überweisungsschein für schwierige Fälle“ mit dem weitere behandlungsrelevante Daten an den Krankenhausarzt übertragen werden sollen.

Mit der elektronischen Anlage zur Krankenhausbehandlung stellt MEDNET ein Verfah­ren für den niedergelassenen Arzt (Überweiser) bereit, weitere qualifizierte medizini­sche Vorbefunde für den Krankenhausarzt zur Vorbereitung der stationären Behandlung bereitzustellen. Die elektronische „Anlage zur Krankenhauseinweisung“ ersetzt nicht das bisherige Verfahren des Muster-2-Formulars, sondern ist sozusagen ein „elektronischer Begleitschein“ zum bisherigen Verfahren.

Das Verfahren setzt die schriftliche Einwilligungserklärung des Patienten voraus. Die Einwilligung wird bei jeder Krankenhauseinweisung neu erstellt. Im Text der Einwilligung ist vermerkt, dass der Patient einverstanden ist, in die im Formular festgelegte Klinik eingewiesen zu werden.

2.   Das Verfahren der elektronischen Anlage zur Kran­kenhauseinweisung

2.1.   MEDNET Formular „Krankenhauseinweisung“

2.1.1.  Daten des Formulars

Das Formular „Muster 2 (Verordnung von Krankenhausbehandlung)“ sieht in der Aus­fertigung für den Krankenhausarzt bisher folgende Datenübertragung an das Kranken­haus vor:

  1. Die versicherungstechnischen Stammdaten des Patienten wie sie beim Einlesen der Krankenversichertenkarte des Patienten in der Arztpraxissoftware gespei­chert wurden.
  2. Spezifizierung der versicherungstechnischen Einordnung des Falles (Belegarzt, Notfall, BG-Fall und BVG)
  3. Das Krankenhaus selbst wird als Empfehlung („Nächsterreichbare, geeignete Krankenhäuser“) eingetragen, da der Patient grundsätzlich das Recht hat, selbst das Krankenhaus auszuwählen („freie Arztwahl“). Gerade im ländlichen Raum ist dieses Grundsatzrecht durch die tatsächliche Versorgungswirklichkeit auf fak­tisch ein Krankenhaus begrenzt.
  4. Arztstempel als Identifikation der überweisenden Arztpraxis
  5. Behandlungsrelevante medizinische Daten:
    1. Diagnosen des Falles
    2. Untersuchungsergebnisse
    3. Bisherige Maßnahmen (z.B. Medikation)
    4. Fragestellung und Hinweise (z.B. Allergien)
    5. Mitgegebene Befunde

Das zusätzliche Formular „Anlage zum Überweisungsschein für schwierige Fälle“, das nur in Baden-Württemberg gültig ist, enthält konkrete Ankreuzfragen, die jedoch letzt­lich Konkretisierungen des allgemein gültigen „Muster-2-Formulares“ darstellen.

Das MEDNET Formular der elektronischen Krankenhauseinweisung stellt die im Mus­ter-2-Formular definierten Daten in elektronischer Form bereit und bietet die Möglich­keit, die im Papierformular angesprochenen „Mitgegebenen Befunde“ direkt als elekt­ronische Dokumente zu übertragen.

Im Krankenhaus selbst hat die elektronische Bereitstellung der Daten grundsätzlich den Vorteil, dass zum Beispiel mitgegebene Befunddokumente in das Primärsystem impor­tiert werden können. Dadurch entfallen weitere zeitraubende Arbeitsschritte (scannen, ablegen, archivieren).

2.1.2. Initialisierung durch GDT und BDT

Das Programmmodul Anlage zur Krankenhauseinweisung wird aus der MEDNET Mail aufgerufen in Form einer medizinischen Geräteanbindung (GDT-Aufruf).

Zur Initialisierung der Datenfelder, insbesondere der Kopfdaten des Überweisungs­for­mulars, wird ein erweiterter GDT- bzw. BDT-Datensatz genutzt. Der bisherige GDT-Datensatz „Anforderung einer Untersuchung (6302)“ reicht für die elektronische Kranken­hausweisung nicht aus, da die versicherungstechnischen Stammdaten fehlen. Einige Arztpraxissysteme schreiben deshalb beim Aufruf von medizinischen Geräten nicht den GDT-Datensatz, sondern einen durch BDT-Datenfelder erweiterten Datensatz.

Grundsätzlich setzt die elektronische Krankenhauseinweisung voraus, dass die GDT-Spezifikation erweitert und an die neuen Anforderungen angepasst wird. Dies entspricht der Situation bei der Online-Anforderung einer Laboruntersuchung. Entsprechende Initiati­ven zur Erweiterung des GDT sind aktuell im Arbeitskreis QMS eingeleitet. Mit einer Verabschie­dung eines neuen GDT 3.0 ist noch im Frühjahr 2012 zu rechnen.

2.1.3. MEDICUSplus-Arztpraxen

In den Arztpraxen mit dem System MEDICUSplus können die überweisenden Ärzte auch Behandlungsdaten nach Zeitfenster (von Datum bis Datum) und ausgewählten Da­tentypen (nur Labor oder alles außer den Notizen) bereitstellen. Die Bereitstellung der „mitgegebenen Befunde“ gestaltet sich in diesem System einfach und bequem. Auch hier ist der Ausdruck einer schriftlichen Einwilligung Grundlage des Verfahrens.

2.2. Übertragungsweg (VPN) und -verfahren

Die Datenübertragung erfolgt innerhalb des von MEDNET bereitgestellten gesicherten Netzwerkes (VPN) und eines MPLS-Intranets (DIVA). Es handelt sich dabei um ver­schlüsselte und gesicherte Übertragungswege. Zusätzlich zum Schutz der Transport­wege sind alle Daten während des Transports als Paket verschlüsselt.

Die Übertragung der Daten durch den überweisenden Arzt an das Krankenhaus kann erst gestartet werden, nachdem der Befehl „Einwilligung drucken“ ausgeführt wurde.

2.3. Bereitstellung der Daten im Krankenhaus

Die Bereitstellung der zusätzlichen Befunddaten erfolgt im Krankenhaus in einem zwei­stufigen Verfahren:

  • Kommunikationsserver in der DMZ (VPN-Anbindung)
  • MEDICUSplus-Server im LAN des Krankenhauses als Serversystem, das von den Ar­beitsstationen aus erreichbar ist.

Die Kommunikation zum VPN der MEDNET wird durch den Kommunikationsserver in der DMZ bewerkstelligt. Die entschlüsselten Daten werden in ein freigegebenes Ver­zeichnis auf dem MEDICUSplus-Server in LAN des Krankenhauses entpackt. Die Freigabe (Shared-Disk) auf dem MEDICUSplus-Server ist die einzige Verbindung, mit der der Kommunikationsserver Daten in das Krankenhaus bereitstellt.

Alle von den Zuweisern bereitgestellten Daten werden nach Patienten gespeichert und besonders gekennzeichnet und zusätzlich in einer Arbeitsliste abgelegt.

Der Zugriff auf die Daten durch den Krankenhausarzt wird protokolliert. Dazu muss jeder Krankenhausarzt als sogenannter Mitarbeiter in das System eingetragen werden. Die Anmeldung des Arztes im System wird durch Eingabe eines Passwortes kontrol­liert.

Der Zugriff auf die bereitgestellten Daten erfolgt mit einem MEDICUSplus-Client (Vie­wer), der separat auf dem Desktop des Arztes gestartet oder aus dem KIS als Fremdauf­ruf mit Übergabe der Stammdaten (Name, Vorname und Geburtsdatum) und der Fall­nummer des Patienten im KIS aufgerufen werden kann. Diese Daten werden als Such­kriterien genutzt und reduzieren die Sichtbarkeit der Patienten in der Auswahlliste auf einen Patienten. Nur bei Namensdoppler (gleicher Name, Vorname und Geburtsdatum) muss eine manuelle Entscheidung getroffen werden. Die endgültige Auswahl und Bestätigung des gesuchten Patienten erfolgt durch den Einsicht nehmenden Arzt.

Die Kommunikation des MEDICUSplus-Clients mit dem MEDICUSplus-Server erfolgt durch Zugriff auf das freigegebene Verzeichnis des MEDICUSplus-Servers und als TCP-Kommu­nikation über Port 9091.

Spätestens 90 Tage (dieser Wert ist konfigurierbar) nach dem letzten Zugriff werden die Patientendaten durch den MEDICUSplus-Server gelöscht.

Falls sich Zuweiserdaten als behandlungsrelevant erwiesen haben, müssten diese Daten vorher krankenhausseitig gespeichert und archiviert werden. Dazu kann auch optional das Archivsystem von MEDNET genutzt werden. Im einfachsten Fall könnten die relevanten Daten vorher ausgedruckt werden.

3.   Anlagen

3.1.  Muster 2: Verordnung von Krankenhausbehandlung

3.2.  Einwilligungserklärung der überweisenden Arztpraxis

Einwilligungserklärung

zur Bereitstellung von Vorbefunden zur Vorbereitung einer stationären Behandlung

[ARZTSTEMPEL]

Ich bin damit einverstanden, dass mein behandelnder Arzt meine Behandlungsdaten und Befunde zur Vorbereitung einer geplanten Krankenhausbehandlung übermittelt.

Krankenhaus: . . . . . . . . . . . . .
Abteilung: . . . . . . . . . . . . . .

Ferner bin ich damit einverstanden, dass mein behandelnder Arzt bei meinem Hausarzt oder anderen Ärzten oder Leis­tungserbringern vorliegende Behandlungsdaten und Befunde, soweit diese für meine Krankenhausbehandlung erforderlich sind, anfordert und dem Krankenhaus bereitstellt.

Hausarzt: . . . . . . . . . . . . . .

Diese Einwilligungserklärung erfolgt freiwillig und kann jederzeit und ohne Angabe von Gründen von mir widerrufen werden!

Datum, Ort

. . . . . . . . . . . . . . . . . .

(Unterschrift Patient oder Vertreter)